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Mittwoch, 30. Juni 2010

Oberhafenkantine



Mitten im Herzen von Hamburg entsteht die HafenCity, derzeit Europas größte innerstädtische Baustelle. Aber nein, ich will heute Abend nicht auf neu gestalteten Terassen in der überdesigned wirkenden HafenCity abhängen, in einer aus dem Boden gestampften, jungen, noch patinalosen Architektur inmitten von Touristenströmen modischen Latte Macchiato to Go schlürfen, und auf Auslaufparaden von Kreuzfahrtschiffen gen Sonnenuntergang blicken. Ok, das kann schon schön sein, aber ich will lieber wieder in die Oberhafenkantine zurück, nur einen Steinwurf von hier entfernt. Denn gleich hinter den Deichtorhallen befindet sich dieser skurrile, schräge Ort. Ein wahres, authentisches Stück Hamburger Hafengeschichte. Schräg im wahrsten Sinn des Wortes, denn das kleine, denkmalgeschützte Gebäude direkt unter den Gleisen der DB konnte den Sturmfluten in den Jahren nicht ganz trotzen, es liegt mit der Zeit einfach schief! 







Es ist nach 21.00 Uhr, die Küche wird bald schließen, und wenn meine Begleitung und ich noch etwas essen möchten, so sollten wir doch bitte gleich einen Blick auf die Karte werfen. Diese ist als Imbiß mehr als übersichtlich. Und unsere Bedienung ist einfach herzlich und zuvorkommend. Wir bestellen Rostbratwurst, Kartoffelsalat und Bier. Nach kurzer Zeit werden uns wohlgekühlte Getränke vom Fass, lecker Kartoffelsalat und Bratwurst gereicht, und wie es scheint, ist wohl alles aus eigener Produktion, und das mit Tradition. Und während wir unseren spätabendlichen Imbiß geniessen, fahren schräg über uns die ICE-Züge und S-Bahnen Richtung Hauptbahnhof, dabei wird die Szene geradezu gespenstisch beleuchtet. Die absolute Filmkulisse! 

Liest man in der Geschichte der Oberhafenkantine, so wurde sie 1925 gegründet, und diente über die Jahre zur Verpflegung der Hafenarbeiter, die hier früher ihren Kaffee und ihre Frikadelle verkosteten. 2005 pachtete Tim Mälzer die Kantine, und seine Mutter fuhr in der Traditon der selbstgemachten Küche fort. Ende 2007 gab es wieder ein Sturmtief, was erhebliche, schwere Schäden am Gebäude anrichtete. Die Oberhafenkantine stand damals kurz vorm endgültigen Aus. Aber seit 2008 ist Thorsten Gillert hier Chef, der seitdem die Tradition der Oberhafenkantine fortsetzt, und man kann nur wünschen, dass dieses kleine, große Stück Hamburger Hafengeschichte nicht nur gastronomisch noch lange erhalten bleibt! Es ist bereits nach 22.00 Uhr, wir sind die letzten Gäste, und um uns herum wird schon klar Schiff gemacht. Wir verabschieden uns per du, und ich, ich werde mit Sicherheit wiederkommen.


Mein Bericht über die Oberhafenkantine ist aus dem letzten Jahr, aber immer noch absolut aktuell, so wie dieses Panoramabild, welches letzten Sonntag entstanden ist. Zur grösseren Ansicht einfach draufklicken:






Kommentare:

  1. Die Oberhafenbrücke wurde lange Zeit instandgesetzt. Zu einem gewissen Teil haben wir auch dazu beigetragen, so dass ich schon damals das kleine, schiefe Gebäude beäugt habe. Ich gestehe, zum essen bin ich noch nicht dort gewesen. Aber in der Mittagszeit bietet sich einem schon ein etwas kurioses Bild, wenn sich die Schlipsträger und Kostümträgerinnen der umliegenden Bürokomplexe dort für einen rustikalen Imbiss auf den Bierzeltgarnituren vor dem Häuschen drängen :o)

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  2. Ich hoffe, da darf ich demnächst (habe neue Kunden in Hamburg ;-)) auch mal als Tourist hin -gefällt mir!

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  3. Schöner Bericht, Christian. Und das Panoramafoto ist klasse!

    Suuuuuse, gehen wir da mal hin wenn wir bei Euch sind?

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  4. @Toni
    meinetwegen, dann müsstet ihr allderding noch mal über eine Urlaubsverlängerung nachdenken. Das Programmheft für euren Aufenthalt ist leider schon voll...
    Ansonsten beim nächsten Mal.

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  5. Suse,
    Schlipsträger und Kostümträgerinnen sind doch die neuen "Hafenarbeiter" aus der umliegenden HafenCity.

    Eline,
    hoffentlich bringst du genügend Freizeit mit: in der schönsten Stadt Deutschlands gibt es so manches Plätzchen zu entdecken!

    Toni,
    siehe bei Eline ;)

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  6. und ich, ich haette jetzt gerne eine Bratwurst auf meinem Teller!:)

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  7. Ehrlioch gestanden wären mir die traditionellen Hafenarbeiter manches MAl lieber ;o)

    @Eline
    ja, bring Zeit mit und sag rechtzeitig Bescheid, dann werden wir (Christian und ich) dich ein bisschen begleiten, wenn du magst...
    Oder Christian?

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  8. Klar, wenns gerade passt, warum nicht? Einfach vorher kurz eine Mail schreiben.

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